| Recklinghausen. Ein Weihnachtsmarkt noch vor dem
Totensonntag?
Ein Weihnachtsmarkt, der naht-los ins neue Jahr als
Neujahrsmarkt übergeht?
Das wollten die beiden Konfessionen in
Recklinghausen nicht. Gemeinsam
wandten sich katholische und
evangelische Christen an die Stadt Recklinghausen,
denn "Alles hat
seine Zeit - auch der Advent".
Wir sind nicht gegen den Weihnachtsmarkt in
der Altstadt", stellt Heinz-Bernd
Terbille, Vorsitzender des katholischen Stadtkomitees in
Recklinghausen, klar.
"Aber wir wollen mit dem Markt 'Recklinghausen
im Advent' christliche Werte vermitteln,
auch wenn dies kommerziell
passiert." "Schließlich bereiten wir uns auf ein fröhliches
Fest
vor", sagt auch Christian Siebold, evangelischer Pfarrer in
Recklinghausen und
Gemeindeverbandsvorsitzender.
Und mit der
diesjährigen gemeinsamen Premiere sind die Aktiven fürs Erste
zufrieden. "Viel Zeit blieb uns nicht für die Vorbereitung. Im
nächsten Jahr
werden es vielleicht noch mehr Programm-punkte, die wir
einbringen können.
Dann haben wir mehr Zeit, verschiedene Gruppen
anzusprechen", meint
Dietlinde Hülsdau, stellvertretende Vorsitzende
des katholischen Stadtkomitees.
Bereits im
März hatten die beiden Kirchen einen Bürgerantrag auf Verkürzung des
Weihnachtsmarkts gestellt. "Das haben wir christlich motiviert
begründet. Denn
es ist nicht richtig, vor dem Totensonn-tag in der
dunklen Zeit des Novembers,
in der Zeit, wo sich der Mensch auf
seine Endlichkeit besinnt, bereits einen Weihnachtsmarkt zu öffnen",
meint Terbille. "Zudem wurde dieser Markt mit den glei-chen
Angeboten
auch noch als Neujahrsmarkt weiterge-führt", merkt Hülsdau an. Mit
dem
Antrag haben die Verantwortlichen gleichzeitig zugesichert, sich
mit spezifischen
christlichen Angeboten einzubringen, "um die
Vorfreude auf das Fest, das Hoffen
und Erwarten, dass er ankomme,
ent-sprechend zu gestalten", sagt Terbille. Erst
im Okto-ber gab der
Rat der Stadt Recklinghausen grünes Licht. Gemeinsam mit
der
Werbegemeinschaft Recklinghausen entstand ein Programm, das neben
dem
Kommerz auch Sinn vermittelt.
Vieles hat das ökumenische
Vorbereitungsteam bereits geschafft. "Aber den Weihnachtsmarkt im
Sprachgebrauch zu einem Adventsmarkt umzugestalten, ist uns noch nicht
gelungen", schmunzelt Kreisdekanatsgeschäftsführer Marcus Weber. Die
christliche Beteiligung macht sich bemerkbar, beispielsweise beim
Nikolausumzug am 5. Dezember. "Wir beginnen in der Propsteikirche St.
Peter mit einem Wortgottesdienst. Dabei wird die Geschichte des heiligen
Nikolaus erzählt, der sich vor den Augen der Kinder umzieht. Das haben
beispielsweise die verschiedenen Kindergärten mit vor-bereitet", sagt
Weber. Verbände wie Caritas, Sozialdienst katholischer Frauen (SKF),
Diakonie und Kinderschutzbund beteiligen sich an der Geschenkebaumaktion
"Kinder schenken für Kinder". "Kinder können für Not leidende Kinder
Geschenke abgeben. Früher wachte darüber ein Weihnachtsmann. Jetzt steht
ein Engel Pate für die Aktion, denn dieser kommt in der
Weihnachtsbotschaft vor. Er verkündet den Frieden auf der Welt und passt
deshalb sehr gut", erläutert Terbille.
Eine besondere Veranstaltung
in der Propsteikirche St. Peter findet am Samstag, 16. Dezember, um
19.30 Uhr statt. Unter dem Titel "Atempause im Advent" wird es ein
Konzert für Querflöte und Orgel geben. Dazu rezitiert Wichart von Roëll
Hoffnungstexte aus dem Alten Testament. "Diese Veranstal-tung wird auch
live mit Bild und Ton auf den Altstadtmarkt übertragen", nennt Weber
eine Besonder-heit. Ebenso werden auf dem Adventsmarkt verstärkt
die täglichen 15-minütigen Meditationen in der Gastkirche beworben.
Text und Foto:
Michaela Kiepe, KuL v. 30.11.2006
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